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Sanierung

Ausgangslage:

Schäden an der Westseite vor der RestaurierungSchäden an der Westseite vor der Restaurierung"Das Haus Hohle Grund 2 in Wallenstedt hat in mehrfacher Hinsicht eine außergewöhnliche Bedeutung für den ländlichen Hausbau in der Region Hildesheim – und in Niedersachsen. Es handelt sich um den äußerst seltenen Nachweis für ein ländliches Hausgerüst aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648), bei dem neben dem Baualter der hohe Erhaltungsgrad, die Befunddichte und die Authentizität bestechen und die dem Bau zu einer haus- und volkskundlichen Quelle ersten Ranges machen“.
Mit dieser Charakterisierung des Baudenkmals Brunottescher Hof durch Dr. Thomas Kellmann, Oberkonservator beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in seinem Exposé vom April 2009 waren die Vorgaben für drei maßgebliche Weichenstellungen manifestiert: Das Sanierungskonzept, das künftige Nutzungskonzept des Hauses – und deren Finanzierung.

 

Das Sanierungskonzept:

Der langfristige Erhalt der Hofstelle in der Wallenstedter Dorfmitte mit dem Haupthaus aus dem Jahr 1594 galt das Hauptaugenmerk des Sanierungskonzepts. Um die historische Aufteilung des Wohn-/Stallgebäudes in Kammerfach, Hauswirtschaftsbereich und Stallteil nach wie vor zu verdeutlichen, galt es diese in ihrer baufesten Ausstattung mit Fenstern, Türen, Trögen, Fußböden sowie der jeweils besonderen Wand- und Deckenausbildung beizubehalten.
Eine große Herausforderung bei der Entwicklung und Umsetzung des Sanierungskonzepts bildete die Statik des Hauses. Bei einer Gesamtlänge des Hauses von 24 m fehlten zwischen dem Kammerfach am Nordgiebel und dem Stallteil im Süden über eine Länge von 15 m die bei einem Fachwerkbau unerlässliche Queraussteifung. Der mittlere Teil des Gebäudes neigte sich stark nach Osten. Aussteifende Bauteile in Form von Decken und Wänden galt es  einzuführen. Hölzerne Hilfskonstruktionen mussten die besonderes beanspruchten Ständerreihen nach Westen entlasten.

Die Bewirtschaftung der Hofstelle wurde um 1910 eingestellt. Als Glücksfall kann angesehen werden, dass danach nicht mehr in den baulichen Bestand der Hofstelle investiert wurde. Lediglich die ehemalige Stallscheune wurde zum Sommerhaus umgebaut. Das Haupthaus wurde nicht verändert.
Präsentiert werden soll das Haus künftig im Zustand des späten 19. Jahrhunderts mit wenigen Zeitfenstern in seine Geschichte seit der Erbauung 1594.


Das Nutzungskonzept:

Das Haus – und das Grundstück mit Einfriedung, Böschungsmauer, Brunnen, Toranlage, Hoffläche, Streuobstwiese und altem Lindenbestand – mit seiner mehr als 400-jährigen Geschichte bilden den Rahmen für dessen künftige Nutzung durch den Verein Brunottescher Hof e.V.
Das Gebäude wird nicht komplett für eine Ganzjahresnutzung mit zeitgemäßer Beheizung und Wärmedämmung durchsaniert. Die Räume des Obergeschosses (mit Ausnahme über dem früheren Stallteil) sind wegen ihrer unzureichenden Raumhöhe nur eingeschränkt nutzbar (z.B. als Magazin). Der Dachraum bleibt ohne eine Nutzung erhalten. Er soll als Sommerquartier für Fledermäuse und Brutplatz für Schleiereulen dienen.

Der frühere Stallteil im Süden des Hauses wird im Erdgeschoss als Mehrzweckraum und darüber im Obergeschoss als Appartement eingerichtet. Dieser Gebäudeteil – wie auch der Toilettenbereich im früheren Schweinestall – werden über eine Wärmepumpe und mittels Fußboden- und Wandheizung für eine ganzjährige Nutzung hergerichtet. Das Appartement ist über eine separate Außentreppe zu erreichen.
Die Tenne und der frühere Pferdestall im mittleren Gebäudeteil werden für eine Nutzung in der warmen Jahreszeit ausgelegt. Hier können größere Veranstaltungen stattfinden.
Die westliche Küchenlucht wird von späteren Einbauten befreit und und um die alte Herdstelle ein Raum für größere Besuchergruppen geschaffen. Beheizt wird dieser Raum, die auch die angrenzenden Räume des Kammerfaches, im Bedarfsfall durch Einzelöfen.

Die Wirtschaftlichkeit soll durch eigene Angebote des Vereins sowie durch Fremdvermietungen sichergestellt werden. Die in den letzten Jahren gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass Haus und Grundstück hinreichend Möglichkeiten bergen, zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen.


Die Finanzierung:

Alle Überlegungen mit Blick auf das Sanierungs- und das spätere Nutzungskonzept werden von deren Finanzierbarkeit überlagert. Der Trägerverein mit seinen bescheidenen Mitteln musste sich bereits beim Kauf des Grundstücks 2010 verschulden. Der Beteiligung an den Sanierungskosten waren damit enge Grenzen gesetzt.
Die eingangs zitierte Hervorhebung des Baudenkmals Brunottescher Hof mit seiner überregionalen Bedeutung durch die staatliche Denkmalspflege und das in mehreren Workshops erarbeitete Nutzungskonzept führten dazu, die Finanzierung der anspruchsvollen Sanierung sicherzustellen.
Ohne die finanzielle Unterstützung unserer Förderer hätte das Werk nicht begonnen werden können. Für das Jahr 2014 steht der 4. Bauabschnitt an, mit dem die Funktionsfähigkeit des Hauses angestrebt wird.

 

Die Bauabschnitte

Die Sanierung ist in vier Bauabschnitte gegliedert:

Der 1. Bauabschnitt umfasste  die Vorarbeiten, der 2. Bauabschnitt die "Statische Ertüchtigung der tragenden Konstruktion", der 3. Bauabschnitt "Unter Dach und Fach" die Dachdeckerarbeiten und Maurer-/Lehmarbeiten. Der 4. Bauabschnitt wurde in Abschnitt 4 und 4a aufgeteilt und betrifft die Bereiche „Bestandserhaltung, Restaurierung, Ertüchtigung und Wiederherstellung incl. baufester Teile“ und „Abschlussarbeiten - Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Hauses“. Die Bauabschnitte 1 bis 4a sind in den Jahren 2010 bis 2013 abgeschlossen worden, der Bauabschnitt 4 wurde 2014 weitergeführt bzw. beendet.



(Unter Verwendung der Langfassung des Sanierungskonzepts für den Brunotteschen Hof in Wallenstedt von Dr. Thomas Kellmann/Nieders. Landesamt für Denkmalpflege) vom November 2013

  • Fotos zum Zustand vor der Restaurierung und während der Arbeiten am Haus